Tinnitus: Hilfe gegen „den Störenfried im Ohr“ Traditionelle und neue Behandlungs­methoden.

Restauranttipps Starnberger See: bayerisch, mediterran, asiatisch und vieles mehr

Brillen Blickpunkt Starnberg Gastronomie in Starnberg Starnberger Seeleben

Interviews zu Gesundheit und Lebensgefühl

Blutegeltherapie hilft bei Tinnitus

Jochen Rieser, 2. Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Blutegeltherapie, informiert über die Möglichkeiten der Blutegeltherapie bei Tinnitus.

akuter und chronischer Tinnitus ++ Störgeräusche ++ Linderung


Wer an Tinnitus leidet, weiß, wie massiv Störgeräusche und Schmerzen das Gesamtbefinden beeinträchtigen können. Die Suche nach Heilung bzw. Linderung gestaltet sich aber oft nicht so einfach und dauert lang. Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Therapie, die Therapie mit Blutegeln, findet zunehmend Zuspruch. Was ist dran und wie funktioniert sie? Jochen Rieser, 2. Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Blutegeltherapie, informiert.


StaMed: Herr Rieser, als Naturheilpraktiker werden Sie häufig von Patienten aufgesucht, die schon die verschiedensten Therapien ausprobiert haben und nun nicht mehr weiter kommen – gilt das auch für Tinnitus-Patienten?

J. Rieser: Ja. Manche Menschen möchten sich grundsätzlich lieber naturheilkundlich behandeln lassen als mit den Methoden der klassischen Medizin, andere haben schon so vieles ausprobiert, dass sie sich denken „schaden kann es ja nichts“. Die Wahrheit ist natürlich viel profaner: jeder Mediziner, jeder Therapeut steht im Dienst der Heilung und versucht, den individuell richtigen Weg für seinen Patienten zu finden. Bei Tinnitus kann das ein langer Weg sein.

StaMed: Ihr Weg bei Tinnitus heißt Blutegeltherapie?

J. Rieser:Es gibt verschiedene Methoden, Tinnitus naturheilkundlich zu behandeln. Dazu gehören z.B. Akupunktur, Hochfrequenz-therapie, die Stabilisierung der Gesamtkonstitution, Blutegel. Mit letzteren habe ich die besten Ergebnisse erzielt.

StaMed: Konkret nachgefragt: wie vielen Ihrer Tinnitus-Patienten konnten Sie von ihren Beschwerden befreien?

J. Rieser: 60% unserer Tinnitus-Patienten konnte geholfen werden. Wobei wir nicht von einer vollständigen Beschwerde-Befreiung bzw. Heilung sprechen, sondern von spürbarer Besserung. Die Erwartungshaltung von Tinnitus-Erkankten ist meist sehr realistisch, sie sind erleichtert, wenn sie eine Verbesserung ihrer Situation verspüren und es wäre auch unseriös in kürzester Zeit völlige Beschwerdefreiheit zu versprechen.

StaMed: Bleiben wir konkret: Wie viele Blutegelbehandlungen benötigt man, um eine Besserung zu erreichen?

J. Rieser: Das ist das Bemerkenswerte an dieser Behandlungsform: In den meisten Fällen stellen die Patienten bereits nach der ersten Behandlung eine deutliche Besserung fest. In welchen Zeitabständen und über welchen Zeitraum man die Behandlung fortsetzt, hängt vom Erfolg der ersten Behandlung ab und muss von Fall zu Fall entschieden werden. Meist wird ein Abstand von zwei Wochen eingehalten.

StaMed: Wie sieht denn so eine Blutegelbehandlung konkret aus, ist so ein Egel nicht eklig?

J. Rieser: Sie sprechen aus, was die meisten denken: Egel gleich blutsaugender Wurm. Da kommen Störgefühle auf, Ängste und Abwehr. Und beides hat natürlich, wie meistens, mit Unkenntnis zu tun, mit der Scheu vor dem Fremden. Blutegel werden in der Therapie schon hunderte von Jahren eingesetzt. Im Zeichen moderner Wissenschaft waren sie lange verpönt und werden nun zunehmend wieder geschätzt – zum Teil auch, weil die Wissenschaft heute belegen kann, welche wirksame Substanzen im Speichel der Blutegel enthalten sind. Die Egel sind heute sozusagen wissenschaftlich anerkannt.

StaMed: Gut, ich komme nun also mit Tinnitus zu Ihnen ...

J. Rieser: Dann führen wir ein ausführliches Anamnese-Gespräch, in dem vor allem auch die Art des Tinnitus abgeklärt wird. Denn bei einem akuten, also hochfrequenten Tinnitus gestaltet sich der Therapieplan anders als bei einem chronischen Tinnitus. Bei einem akuten Tinnitus kann man sehr gut mit Blutegeln therapieren. Bis zu vier Egeln werden hinter dem Ohr angesetzt und dürfen dort etwa eine Stunde lang ihre heilende Tätigkeit ausüben. Natürlich immer unter Überwachung des Therapeuten.

StaMed: Mal ehrlich: tut das weh, und blutet das nicht nach, die Egel bringen doch ein Anti-Gerinnungsmittel in die Bisswunde ein?

J. Rieser: Wird ein Egel angesetzt, spüren Sie nicht viel davon. Vielleicht ein kurzes Brennen, wie beim Berühren einer Brenn-essel, ein leichtes Ziehen oder ein Juckreiz, das ist es dann aber auch. Und, ja: natürlich blutet die Stelle, an der der Egel (der übrigens von allein abfällt) gesessen hat, nach. Über all diese Einzelheiten werden Sie als Patient natürlich im ersten Gespräch informiert. Die Wunden verheilen in der Regel sehr schnell und selbstverständlich bleibt der Kontakt zwischen Patient und Therapeut über den ersten Behandlungstag (und darüber hinaus) stets aufrecht. Die blutgerinnungshemmenden Substanzen Hirudin und Calin sorgen übrigens für die Reinigung der Wunde durch Nachbluten, was bis maximal zwölf Stunden dauert. Und: der von den Egel eingebrachte Speichel hat zudem durchblutungsfördernde, antibiotische und schmerzstillende Wirkung.

StaMed: Ist Tinnitus das Haupteinsatzgebiet für Blutegeltherapie?

J. Rieser: Bei weitem nicht - es gibt viele Krankheitsbilder, bei denen mit Blutegeln sehr gute Ergebnisse erzielt werden konnten, wie z.B. bei typischen Durchblutungserkrankungen (Krampfadern, Venenentzündungen, Thrombosen etc.), Arthritis und Arthrose, Migräne, Rheuma, und vielem mehr. Nur handelt es sich nach wie vor um eine Therapieform, die rela-tiv wenig bekannt ist und für die man selbst aktiv einen Therapeuten suchen bzw. finden muss.

StaMed: In Ihrer Naturheilkundepraxis gehört die Blutegeltherapie seit Jahren zum Behandlungsspektrum. Was stützt, außer dem Vertrauen Ihrer Patienten, Ihre Kompetenz?

J. Rieser: Klingt zunächst eigenartig: aber für mich sind die Blutegel tatsächlich etwas besonderes. Sie gelten als unangenehme Blutsauger und sind im Grunde ein medizinischer Segen, wenn man betrachtet, was sie dem Menschen an Linderung und Heilung bringen können. Daher habe ich mich mit dieser Therapieform so eingehend befasst, dass ich mittlerweile 2. Vorsitzender der IGBT bin, und das verlangt schon ein gewisses Maß an Wissen und Erfahrung.

StaMed: Eine letzte Frage: Wenn ich als Tinnitus-Betroffener über eine Blutegeltherapie nachdenke, werden die Egel dann gleich beim ersten Termin angesetzt?

J. Rieser: Wenn Sie sich für eine Blutegeltherapie interessieren, folgt erst mal ein Gespräch, in dem wir Beschwerden, Gesamtkonstitution (was spricht dafür, was dagegen) abklären und Sie über alle Detailschritte genau informiert werden – erst dann entscheiden Sie, ob dies ein Weg für Sie ist.

StaMed: Viel gelernt! Danke für Ihre Zeit, Herr Rieser.

J. Rieser: Jederzeit gerne.

Jochen Rieser, Starnberg

Zur Person

Der Naturheilkundler Jochen Rieser (Naturheilpraxis Rieser, Starnberg) ist 2. Vorsitzende der IGBT und gibt regelmäßig Kurse zur Blutegeltherapie ( 2 x jährlich in der eigenen Praxis sowie in der Heilpraktikerschule Lotz, München und im Verband.)
Zur Naturheilpraxis Rieser »