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Interviews zu Gesundheit und Lebensgefühl

Gesund durch Herbst und Winter

Jochen RieserWenn sich jetzt langsam die kalte Jahreszeit ankündigt, rücken Erkältung und Grippe näher. Spätestens dann, wenn im Büro, in U-Bahn oder Kindergarten die ersten Nieser zu hören sind. Wie wappnet man sich erfolgreich?

Interview


StaMed: Herr Rieser, wie sieht die optimale Vorbeugung gegen Erkältung und Grippe aus?

J. Rieser: Zunächst sind Erkältung und Grippe zweierlei Geschichten. Mit einer klassischen Erkältung – Schnupfen, Halsweh, Husten – kommen die meisten ganz gut klar. Da helfen Hausmittel, viel trinken, mit Kamille inhaliern, usw. recht gut. Eine Grippe macht als viraler Infekt mehr Beschwerden. Allerdings gibt es viele verschiedene Grippeviren – die Sie beispielsweise mit einer schulmedizinischen Impfung gar nicht alle vorbeugend abdecken können.

StaMed: Das heißt, optimalen Schutz gibt es nicht?

J. Rieser:Wenn man unter „optimal“ einen 100%igen Schutz versteht: nein. Aber optimal, im Sinne von bestmöglich, kann auch heißen, das Abwehrsystem des eigenen Körpers gegen Erreger jedweder Art stark zu machen. Das ist die Basisidee einer so genannten „homöopathischen Impfung“.

StaMed: Ist das nicht genau das, was eine schulmedizinische Impfung auch macht: Erreger abwehren?

J. Rieser: Nehmen wir die alljährlich angebotene Grippeimpfung, die jedes Jahr spezifisch zusammengestellt wird, sie geht nach einem klassischen Impfschema vor: Durch Injektion bestimmter Erreger wird der Körper angeregt, Antikörper zu produzieren, die dann zur Verfügung stehen, wenn der Erreger „zuschlägt“. Ein logisches Prinzip, das aber nur in dem Fall wirksam ist, in dem auch tatsächlich der/die injizierte/n Erreger für den Infekt verantwortlich ist. Die Wirksamkeit kann also sehr effektiv sein, ist aber begrenzt. Die „homöopathische“ Impfung geht nicht gegen einen einzelnen „Feind“ vor, sondern basiert auf der Idee, den individuellen Organismus aufzurüsten, damit er selbst mit Feinden unterschiedlicher Art fertig werden kann.

StaMed: Um in diesem anschaulichen Bild zu bleiben: wie rüstet man homöopathisch auf?

J. Rieser: Wenn jemand mit einem geschwächten bzw. schwachen Immunsystem sich auf die Bakterien und Viren, die im Herbst und Winter vermehrt unterwegs sind, vorbereiten und sein Abwehrsystem aufbauen will, kann z.B. eine Eigenbluttherapie sinnvoll sein. Dabei wird dem Patienten eine kleine Menge Blut aus der Vene entnommen, dieses mit einer homöpathischen Immunstimulanz (wie z.B. Echinacen)angereichert und dann intramuskulär wieder injiziert. Oft empfiehlt sich zusätzlich eine Lymphspritze.

StaMed: Zur Grippeimpfung reicht ein Termin, wie viele Termine sind für diese homöopathische Impfung nötig?

J. Rieser: Noch mal zur Erinnerung: man kann beides nicht miteinander vergleichen. Einen 100% igen Schutz vor einer Erkrankung bietet beides nicht. Die Grippeimpfung – mit einmaligem Termin - schützt effektiv vor den Erregern, die die WHO als hauptsächliche Grippeauslöser für die laufende Saison identifiziert bzw. prognostiziert hat. Sie ist kein Schutz vor anderen, nicht im Impfstoff abgedeckten Viren. Die homöopathische Impfung – mit etwa zehn Terminen (je einmal wöchentlich), bietet keine Garantie gegen eine Grippeerkrankung, stärkt aber das gesamte körpereigene Immunsystem gegen jeglichen Bakterien- oder Virenangriff.

StaMed: Was ist denn nun sinnvoller?

J. Rieser: Das hängt letztlich von der eigenen Einschätzung ab. Von den Erfahrungen, die man sowohl mit dem Verlauf von Erkältungs- und Grippeerkrankungen gemacht hat. Es gibt keine selig machende Lösung – und Sie sollten sich so oder so nur für etwas entscheiden, das zu Ihnen passt und Sie überzeugt.

StaMed: Also kein rigoroses „Nein“ zur klassischen Grippe-Impfung?

J. Rieser: Therapien richten sich nach Patient und Krankheitsbild, nicht nach Dogmen. Wenn ich bei einer Diagnose feststelle, dass eine weiter gehende Diagnostik (z.B. bildgebende Diagnostik) wichtig ist, dann wird entsprechender Experte herangezogen. Heilung ist kein Alleinanspruch.

StaMed: Wenn man das Immunsystem homöopathisch aufrüsten will, wann fängt man für die Wintersaison an?

J. Rieser: Ähnlich wie bei der klassischen Grippe-Impfung: September/ Oktober.

StaMed: Kann man Kinder auch homöopathisch impfen?

J. Rieser: Wenn ein Kind eine deutlich verstärkte Infektanfälligkeit hat, kann das sinnvoll sein. Allerdings geht man hier natürlich, je nach Alter des Kindes, anders vor. Kleinkinder werden mit Globuli therapiert, bei Kindern, ab ca. 5 Jahren wird Blut mit einem kleinen Piekser aus dem Ohr entnommen. Dieses wird dann mit Ethanol, Essig oder einer Immunstimulanz versetzt und tropfenweise verabreicht.

StaMed: Eine Grundsatzfrage zum Schluss: ist auch für eine homöopathische Impfung eine Anamnese erforderlich?

J. Rieser: Ja, jede naturheilkundliche Therapie setzt eine Anamnese voraus. Sie wollen ja nicht, dass Ihr Nachbar oder Ihr Freund behandelt wird – sondern Sie.

StaMed: Ja, klar! Vielen Dank für das ausführliche Gespräch.

Jochen Rieser, Starnberg

Zur Person

Jochen Rieser ist Heilpraktiker in Starnberg.
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