Tinnitus: Hilfe gegen „den Störenfried im Ohr“ Traditionelle und neue Behandlungs­methoden.

Restauranttipps Starnberger See: bayerisch, mediterran, asiatisch und vieles mehr

Brillen Blickpunkt Starnberg Gastronomie in Starnberg Starnberger Seeleben

Interviews zu Gesundheit und Lebensgefühl

Im Interview: Zahnarzt Dr. Lohrmann

Jürgen Klemptner, StarnbergGesunde Zähne sind ein wichtiger Teil unserer Lebensqualität. Ein „gepflegtes“ Lächeln gehört ebenso dazu wie gut zubeißen und jede Mahlzeit genießen zu können.

Interview


StaMed: Herr Dr. Lohrmann, zu Ihnen kommen Patienten jeder Altergruppe. Ist die Behandlung je nach Alter unterschiedlich?

Dr. H. Lohrmann: Die Behandlung richtet sich in erster Linie immer nach dem Befund, da sind die Unterschiede zwischen jungen und älteren Patienten mitunter sehr gering. Aber auf ein Kind muss ich natürlich zunächst anders zugehen. Ist es sein erster Zahnarztbesuch oder welche Erfahrungen hat es bereits gemacht? Welche Zähne sind noch Milchzähne, welche bereits bleibend? Bei Patienten im hohen Erwachsenenalter ist dann z.B. Zahnersatz eher ein Thema.

StaMed: Für wen braucht man als Arzt mehr Geduld: die jüngeren oder die älteren Patienten?

Dr. H. Lohrmann: Geduld, Zeit und Sorgfalt brauchen Sie grundsätzlich für jede Behandlung, da gibt es keinen Altersunterschied.

StaMed: Muss man nicht beim Thema Zahnersatz beispielsweise mehr und ausführlicher erklären? Das verlangt doch wirklich Zeit.

Dr. H. Lohrmann: Schon, aber kommt ein Kind, wie eben erwähnt zum ersten Mal, müssen Sie sich auch Zeit nehmen, um Ängste gar nicht erst entstehen zu lassen und den jungen Patienten möglichst positiv in die Welt der Zahngesundheit einzuführen. Es ist schon so: sich für jeden Patienten ausreichend Zeit einzuplanen, ist eine wichtige Säule jeder Untersuchung und Behandlung.

StaMed: Bleiben wir noch mal bei älteren Zähnen. Ein Thema dabei ist auch Pflegebedürftigkeit. Was sollte man, beispielsweise als Angehöriger, bei der Zahngesundheit von pflegebedürftigen Menschen beachten?

Dr. H. Lohrmann: Das ist in der Tat ein wichtiges Thema, über das vermutlich noch viel zu wenig gesprochen wird. Natürlich ist es für einen pflegebedürftigen Menschen schwieriger, eine sorgfältige Mundhygiene zu betreiben. Zum einen ist die Handhabung von Zahnpflegemitteln (Zahnbürste, Zahnseide etc.) erschwert, zum anderen wird das Putzen einfach auch oft vergessen. Mundhygiene ist aber das A & O für den Zahnerhalt. Oft hilft es schon, wenn man diese Patienten, die häufig noch eine traditionelle, manuelle Zahn­bürste verwenden, auf eine elektrische Zahn­bürste „umstellt“, weil hier deutlich weniger Kraft­aufwand für die Zahn­reinigung erforderlich ist.

StaMed: Was ist bei diesen Patienten mit Vorsorgeuntersuchungen und Prophylaxe? Organisieren z.B. Pflegeheime für Ihre Bewohner solche Termine?

Dr. H. Lohrmann: Als erstes muss man Vorsorge­untersuchungen und Prophylaxe unterscheiden. Während ersteres von den Krankenkassen übernommen wird, sind Prophylaxe­behandlungen, so sie nicht im Rahmen einer anerkannt erforderlichen Therapie stehen, Leistungen, die Sie selbst bezahlen müssen. Beides liegt im Verantwortungsbereich des einzelnen Patienten. Wobei wir im einen oder anderen Fall schon erleben, wie sinnvoll und hilfreich es ist, wenn ein Angehöriger oder Betreuer den Patienten hinsichtlich Vorsorge oder Prophylaxe unterstützt, vielleicht auch begleitet.

StaMed: Prophylaxe bedeutet je „Vorbeugung“ – ist das denn für ältere Zähne noch so wichtig wir für jüngere?

Dr. H. Lohrmann: Das kann sogar wichtiger sein, denn bei älteren Menschen steigt die Häufigkeit von Implantaten, Brücken, Prothesen – und hier ist sorgsamste Reinigung von eminenter Bedeutung, aber eben auch viel schwieriger. Sie kommen schlichtweg nicht in jeden Winkel und darum ist professionelle Unterstützung sinnvoll. Das gilt im Grunde für jeden – aber bei erschwerten Reinigungs­bedingungen, wie sie eben bei Zahnersatz gegeben sind, sind regelmäßige Prophylaxe­behandlungen eigentlich unverzichtbar.

StaMed: Abgesehen von professioneller Prophylaxe: was kann man selbst tun, um seine Zahngesundheit zu fördern?

Dr. H. Lohrmann: Wenn Sie Ihre Zähne ein- zweimal am Tag sehr gut putzen, wobei sehr gut heißt: sorgfältig jede Zahnfläche, so wie die Zahnzwischenräume, mit ausreichend Zeit und einer fluoridhaltigen Zahnpasta und Zahnseide, dann ist das die beste Basis. Wenn man dann noch die Anzahl der Zuckerimpulse reduziert, also möglichst selten zuckerhaltige Nahrungsmittel zu sich nimmt und regelmäßig die Zähne untersuchen lässt, dann schaffen Sie gute Voraussetzungen für den Erhalt Ihrer Zähne.

StaMed: Und wenn man bereits einmal Parodontitis hatte und eine entsprechende Behandlung durchlaufen hat?

Dr. H. Lohrmann: Alles was ich eben an Empfehlungen gegeben habe, bezieht sich natürlich auf weitgehend gesunde Zähne und deren Pflege. Gibt es spezifische Probleme, muss man diesen mit individuellem Therapieplan begegnen. Und im Falle der von Ihnen angesprochenen Parodontitis ist Prophylaxe fester Bestandteil eines solchen Plans, weil Sie Status und mögliche Entwicklung viel aufmerksamer beobachten müssen, um ggf. rechtzeitig handeln zu können.

StaMed: Eine letzte Frage: Wie kriege ich mein Kind zum Zähneputzen?

Dr. H. Lohrmann: Da gibt es leider kein Patentrezept. Aber wie für die gesamte Erziehung, bewähren sich hier, denke ich, auch das Vorleben und die Kontinutiät. Wenn für alle in der Familie das morgendliche und abendliche sorgsame Zähne­putzen zum Alltag dazugehört, setzt sich das auch beim Kind schließlich fest. Kinder­gärten und Schule unter­stützen das ja dankens­werter Weise auch.

StaMed: Herzlichen Dank, dass Sie uns Ihre Zeit geschenkt haben.

Dr. med. dent. Horst Lohrmann

Zur Person

Dr. med. dent. Horst Lohrmann ist Zahnarzt in Berg am Starnberger See.
Zur Praxis ».