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Interviews zu Gesundheit und Lebensgefühl

Hilfe für Kinderseelen: Gemeinsam heilen

Caroline Domogalla, Kinderpsychologin Starnberg

Dr. Caroline Domogalla zum Thema „Kinderseele“


StaMed: Frau Dr. Domogalla, Sie sind Psychologin, Elterntrainerin und arbeiten als Psychologin in einem heilpädagogischen Kindergarten. Bei Ihrem Tätigkeitsspektrum kennen Sie die Vielfalt kindlicher bzw. jugendlicher Seelenot – wie äußert sich diese?

Dr. C. Domogalla Das kann sich sehr unterschiedlich äußern, denn Kinder sind ja auch Individuen. Und jedes Kind hat ein unterschiedliches Umfeld. Hat ein junger Mensch seelische Not kann sich das in verschiedenster Weise zeigen, z.B. in einem deutlich veränderten Verhalten oder körperlichen Beschwerden. Auch Schlafstörungen, ein sich Abkapseln oder Appetit-losigkeit können Indizien sein.

StaMed: Ab wann muss ich mir als Elternteil Sorgen machen?

Dr. C. Domogalla: Manche ungewohnte oder veränderte Verhaltensweisen treten natürlich auch als Folge einer neuen Entwicklungsstufe auf. Eltern kennen das gut: plötzlich verweigern sich Kinder, sind trotziger, weniger zugänglich und so weiter. Das kann alles völlig normal sein und ist es auch, wenn es nach einer gewissen Zeit wieder anders ist. Hält ein solcher Zustand aber auffallend lange an, über viele Wochen oder gar Monate, ist es wichtig am Ball zu bleiben. „Wach“ zu bleiben für das, was um das Kind herum und mit ihm geschieht. Resignieren wäre die falsche Antwort. Wenn man allein nicht weiter kommt ist es dann sinnvoll, sich Hilfe zu holen. Zum Beispiel bei der Erziehungsberatungsstelle (Starnberg, Standbadstraße 2 /Anmerkung Mediscout.net) oder anderen fach-kundigen Experten wie Familientherapeuten oder Kinderpsychologen.

StaMed: Wie kann ich, als Elternteil, denn Fehler vermeiden?

Dr. C. Domogalla: Alle Eltern dürfen sich auch Fehler erlauben. Wichtig ist es, dass man darüber reflektiert und versucht, es beim nächsten Mal besser zu machen, nicht zu resignieren. Kindern ist die Zuneigung ihrer Eltern enorm wichtig und sie verzeihen sehr viel. Bleiben Sie wach für das, was in Ihrem Kind und um es herum geschieht, das ist das Wichtigste.

StaMed: Gut, was aber, wenn sich herausstellt, dass, ganz gleich, wie gut ich es meine, ich als Mutter oder Vater selbst Teil des Problems bin? Also beispielsweise durch mein Verhalten: z.B. indem ich bestimmte Schulleistungen von meinem Kind erwarte, Druck ausübe, das Kind mit meiner Erwartungshaltung überfordere?

Dr. C. Domogalla: Wenn man reflektiert und zumindest erkennen kann, dass man selbst Teil der Problematik ist, dann ist dies schon der erste Schritt um etwas zu verbessern. Natürlich kann es sinnvoll sein, Gespräche mit der ganzen Familie zu führen, sie also in den Lösungs-Prozess mit einzu-beziehen. Dabei kristallisiert sich oft heraus, welcher bzw. welche Lösungsweg/e sinnvoll ist/sind.

StaMed: Schule bedeutet ja nicht nur, dass Kinder einem Leistungsdruck ausgesetzt sind, auch Mobbing ist ja mittlerweile ein Problem an Schulen.

Dr. C. Domogalla: Allerdings, und erschreckender Weise inzwischen sogar bis in die Grundschulen hinein. Hier ist es vor allem wichtig, das System, in dem das Kind steckt, zu durchbrechen, damit es seine Opferrolle nicht akzeptiert und darin hängen bleibt. Und das allein macht schon deutlich, dass man das Problem Mobbing nicht von außen und nicht allein lösen kann – zu viele Personen und/oder Faktoren sind hier beteiligt. Eltern können ihrem Kind die Lösung nicht abnehmen, sondern nur helfender Teil sein.

StaMed: Mobbing – zumindest unter diesem Begriff – ist ja eine verhältnismäßig neue Problematik. Ähnlich scheint es mit dem drastisch gewachsenen Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen: spüren Sie in Ihrer Tätigkeit die Auswirkungen von TV, Internet und Co?

Dr. C. Domogalla: Ja, ganz klar. Ein starker Medienkonsum macht Kinder häufig unzufrieden. Kann bei einer vorgelesenen Geschichte das junge Gehirn Bilder noch ausblenden, wenn es diese nicht versteht, ist das beim Fernsehen nicht möglich. Hier werden fertige Bilder, die oftmals in ihrem schnellen Takt und ihrer Komplexität von Kindern noch nicht verarbeitet werden können, einfach in das Kind „eingespeist“ und es muss sehen, wie es damit fertig wird. Was es eben oft genug leider nicht schafft: damit fertig zu werden. Und das kann zu Unruhe, Ängsten und Aggressivität führen.

StaMed: Eine letzte Frage zu Ihrer Arbeit: Sie arbeiten eng mit der Kinderärztin Dr. Caroline Haberl zusammen – an welchem Punkt ist die gemeinsame Behandlung eines Kindes angesagt?

Dr. C. Domogalla: Es gibt Themen, die ganz klar nur in den einen (medizinischen) oder anderen (heilpädagogischen/ psychologischen) Bereich gehören. Aber vieles berührt sich natürlich. Nimmt man die Vielzahl psychosoma-tischer Beschwerden, wie z.B. die Kopfschmerzen oder das Bauchweh von Kindern, kann es sich schnell als sehr sinnvoll herausstellen, einen jungen Patienten und seine Eltern gemeinsam kennenzulernen. Entweder um auszuschließen, dass eine seelische Problematik dahinter steckt oder um rechtzeitig zu erkennen, dass in Ergänzung zu medizinischen Maßnahmen auch eine psychologische Begleitung wichtig ist, um heilen zu können.

StaMed: Wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.

Dr. C. Domogalla: Danke gleichfalls.

Zur Person

Caroline Domogalla, Kinderpsychologin Starnberg

Die Psychologin Frau Dr. Caroline Domogalla hat sich auf die Arbeit mit Kindern spezialisiert und praktiziert einmal wöchentlich in der Kinderarztpraxis Dr. Caroline Haberl (Starnberg).

Ihre Aufgabengebiete als Psychologin in einem heilpädagogischen Kindergarten umfassen Diagnostik (Entwicklungs- und Intelligenztests), Elternberatung sowie Spieltherapie. In der Praxis von Dr. Haberl liegt der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit auf Diagnostik und Elternberatung.

Kontaktdaten:
Dr. Caroline Domogalla
in der Kinderarztpraxis Dr. Caroline Haberl
Leutstettenerstraße 1, 82319 Starnberg
Tel.: 08151 - 6 52 22 90

Fax: 08151 - 6 52 22 96